Bei den Kompressoren gibt es 2 "Sorten" (= Technologien)
Mai 2026 - von Gert Redlich - Die einen sind für Flüssigkeiten konstruiert, die anderen für Gase. Bei uns bekannt sind die Hochdruckspritzen bzw. -Reiniger mit Leitungswasser (mit dem ersten preiswerten Kärcher hatte es angefangen) und die Druckluft-Kompressoren. Bei den Druckluft-Kompressoren gibt es ölgeschmierte und ölfreie Versionen.
In beide "Konstrukte" wollte ich mal reinschaun. Hier schaun wir in einen defekten ölfreien Druckluft-Kompressor rein. Der Einblick in eine Hochdruckspritze steht hier. Es sind beides sogenannte Consumer-Geräte für den Hausgebrauch. Die professionellen Geräte sind erheblich teurer und auch erheblich größer und schwerer. Aber zum Verständnis reicht dieser Einblick aus.
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Wir haben hier einen "GIS snc TOP 200" ölfreien Doppelzylinder Kompressor
Die Firma "GIS snc" wohnt(e ??) ursprünglich in Italien in 41012 Carpi (Region Modena) in der Via dei Barrocciai 29. - Google Earth zeigt uns in 2026 eine ausgestorbene Fabrikhalle mit einem Foto aus dem Jahr 2019. - Der 1 Kilowatt Antriebs-Motor ist von einer anderen Firma auch aus Italien vom Typ "ELD Type 1 ~ MA80B B4". Beide Produkte sind unter diesen Bezeichnungen in 2026 selbst in Google nicht mehr zu finden.
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Dieser Kompressor hat evtl. einen Kurzschluß im Motor ?.
Jedenfalls dreht der Motor nicht mehr und die Stromanzeige unseres professionellen Spezial-Stelltrafos geht bei langsamen hochregeln der Netz-Spannung auf mehr als 10 A hoch. Ein voreiliges dummes Einschalten hätte die 16A-Sicherung mit Sicherheit ausgelöst.
Die nächste Stufe der Diagnose ist das Öffnen des Motors und die Betrachtung der evtl. verbrannten oder verschmorten Wicklungen.
Vorab war für den Elektrotechniker zu erkennen, es ist ein 3-Phasen Drehstrom-Motor, der für den Betrieb mit bur einer 230V Wechselstrom-Phase mit einem Hilfskondensator künstlich seine 3. Phase erzeugt bekommt.
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Die Aufkleber bzw. Aluschildchen auf dem Motor und auf dem Kompressor- Gehäuse erklären die Leistungsaufnahme und die Spannungen.
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Das Zerlegen von Kompressor und Motor ist aufwendig .....
weil es keinerlei originale Unterlagen mehr gibt. Der gesamte Kompressor ist aus dem Jahr 2001 und ist optisch nahezu neuwertig. Alleine eines der beiden Kessel-Manometer (links) ist durch einen heftigen Schlag äusserlich erheblich beschädigt, aber zum Druckluft-Tank hin scheinbar noch dicht.
Der Kompressor-Teil muß von dem Antriebs-Motor abgebaut werden, um den (defekten ?) Motor autark (ohne Last) zu betreiben.
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Für einen Newcomer oder Laien ist davon abzuraten, weil doch kräftiges Profi-Werkzeug sowie Geschick und Geduld vorhanden sein muß.
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Die drei Muttern von der Motorwelle müssen ab
Hier braucht man einen Trick oder eine Hilfskrücke. Zuerst müssen beide Zylinderköpfe mit je 4 Inbus-Schrauben abgeschraubt werden, damit man einen Zylinder mit einer Kralle oder einer Zange oder einem "Engländer" arretieren kann und dann mit brutaler Gewalt die massiven 22er Achsmuttern los bekommt.
Dabei darf die geschliffene Oberfläche der Zylinderkopf-Montagefläche bzw. der planen Auflage des Kompressorgehäuses auf keinen Fall verkratzt oder verbeult oder beschädigt werden.
Ich habe eine massive Sperrholzplatte unter den "Engländer" untergelegt und so die Motorachse mit Hilfe der Kolbenstange gegen Verdrehen festgehalten.
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Diese 3 hintereinander aufgeschraubten 24er Muttern siitzen extrem fest.
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Das eigentliche Kompressorgehäuse besteht aus 2 Alu-Guß-Halbschalen
Hier im Bild sieht man die die ganz sauber plan geschliffene Auflage-Fläche des rechten abgenommenen Zylinderkopfes.
Die beiden Alu-Guß- Halbschalen sind ebenfalls mit 4 Inbus-Schrauben miteinander verschraubt. Nach dem Abnehmen der vorderen Gehäuse-Halbschale kann man dann später die beiden Pleuelstangen ganz leicht von der Motor-Welle abzuziehen. Auf jeden fall solte man sich Fotos vom Urzustand machen, selbst wenn diese hier ausreichend scheinen. Denn irgendwann wollen Sie das Ganze ja wieder zusammenschrauben.
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Die gesamte Konstruktion des Gerätes ist professionell
Da wir Deutschen des öfteren über die italienische Qualität und deren Maßstäbe (oft zurecht) lästern, dieses Teil hier ist von sehr hohem Niveau, wirklich auch nach deutschen Maßstäben professionell.
Die massive Motor-Achse (mit 24er Muttern verschraubt) lagert im Motor-Gehäuse in den beiden seitlichen Deckeln in zwei beinahe überdimensionierten gekapselten Kugellagern. In beiden Hälften des Kompressor- gehäuses wohnen ebenfalls 2 kräftig dimensionierte gekapselte Kugellager.
Und die beiden Pleuelstangen werden auch mit zwei sehr gesunden sehr großen gekapselten Kugellagern über exentrisch gebohrte Innen-Einsätze in den Kugellagern angetrieben. Mit diesen kräftigen Kugellagern und den beiden Propellern an beiden Enden müsste der Verschleiß über Jahre minimiert sein.
Das gesamte Gerät ist wirklich auf Langlebigkeit konstruiert. Nach bisherigen Infos muß es damals in dem Bereich um die 1000.- DM angeboten worden sein.
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Die beiden Gehäuse-Halbschalen mit den Kugellagern
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Die beiden Pleuelstangen mit den Kugellagern
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Die zweite Halbschale ist an der massiven Motor-Kopf-Wand angeflanscht.
Auch hier sind es 4 Schrauben, die herausgeschraubt und entnommen werden müssen. Dann kann man diese Halbschale mitsamt dem Kugellager auch ganz leicht vom Motor-Gehäuse abnehmen / abziehen.
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Das Lüfterrad am Motor macht Probleme
Insgesamt sind 2 Lüfterräder montert, eines am Motor und eines am Kompressor. Nun war noch der Stator mitsamt der Motor-Gehäuse- Wand zu entnehmen, wenn man vorher auch noch das Motor-Lüfterrad abbekommen hatte. Doch das war wiederum gar nicht so einfach -wie das andere Lüfterrad am Kompressor-Teil.
Ich habe die Motorachse mitsamt dem Stator mit einem etwas größeren Gummihammer und einer dazwischen gesetzten Holz-Achse als Puffer herausschlagen müssen
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Und endlich - das ist der jetzt sichbare "Stator" mit den Wicklungen
..... und Potz-Blitz, da ist überhaupt nichts verbrannt oder verschmort. Also könnte es ein Kabelbruch in einer der Wicklungen sein. Doch das können wir leicht messen.
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Das ist es aber nicht, es ist etwas extrem Simples - und leicht zu übersehen .....
Es ist so simpel, daß auch der Ingenieur nicht darauf kommt, außer wenn er regelrecht darüber fällt oder stolpert.
Hier die Bilder :
Beim Messen der einzelnen Wicklungen (3-Phasen Drehstrommotor) fällt ein abgebrochens oder abgerissenes Stück Draht ins Auge - grün und damit deutlich sichbar.
Und direkt neben dran ist der einzige festgeschraubte Kabelschuh, an dem das Kabel fehlt. - siehe roter Pfeil -
Aus meiner Erfahrung im Fernsehmuseum mit teuersten und komplexen Uralt-Video-Recordern der 250 Kilo Generation von 1960 weiß ich, daß dort auf dem Transport zu den veranstaltungen in den sogenannten MAZ-Wagen fast immer irgendwo ein Kondensator oder ein Kabel "abvibriert" waren. Diesen fehler damals zu finden, ging erheblich an die nerven der MAZ-Techniker.
Hier sind es nur 6 Messingschrauben mit wenigen farblich eindeutigen Leitungen.
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Jetzt werden alle Kabel der Reihe nach neu aufgelegt.
Ich werde die Kabelenden - wenner denn dreht - schön der Reihe nach eines nach dem anderen abisolieren und mit den Kabelschuhen verlöten. Das war damals in der Produktion sicher zu aufwendig. Dann kommt (vorher) Schrumpf-Schlauch drüber und der fängt eventuelle zerstörerische Vibrationen oder Bewegungen ab.
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und jetzt mal sehen ....... Er dreht sich ............
Zuerst wurde testweise der eine abgescherte (grüne) Draht an dem Kabelschuh angelötet und der Probelauf mit unserem großen Stelltrafo beginnt.
Frei nach Galileo Galilei ....Er dreht sich doch ............
Die Stromstärke des Stelltrafos springt bis ca. 110V auf bis zu ca. 5 Ampere, sinkt dann aber mit zunehmender Drehzahl bei 230 Volt auf ca. 3 Ampere zurück. Das sind etwa 700 Watt(VA) im Leerlauf bzw. ohne Last (?). Der Nenntrom bei Vollast beträgt laut Aufkleber 7A bei 1380 U/m.
Auf jeden Fall ist das ein Erfolgserlebnis - Nachts um 1.00 Uhr.
Jetzt kommen die weniger tollen Eigenschaften. Bei der Leerlaufdrehzahl von etwa 1300 U/m - ab ca. 180V stiegt sie nicht mehr nennenswert an, vibriert der Motor recht stark. Auf dem großen hölzernen Werktisch ist es dann richtig laut. Mit einer untergelegten mehrfach gefalteten Decke ist es zwar erträglich aber nicht zufriedenstellend leise (wie unsere anderen dicken 1 kW Motoren).
Der Motor ist auf dem Druckluftbehälter auf 4 "Gummimetalle", so heißen diese Gummi-Metall- Verbinder, montiert und der Doppelzylinder Kompressor vibriert heftig und ist an sich recht laut. Dennoch zeigt das, der Rotor mit der massiven Achse ist nicht ausgewuchtet. Dafür ist die Unwucht und die Vibration zu groß. So ist vermutlich auch dieser eine grüne Draht im Laufe der Zeit abvibriert worden und das wars dann. Also die gesamten Drähte müssen gekürzt und neu aufgelegt werden - mit vibrationshemmendem Schrumpfschlauch.
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Die Leerlauf Leistungsaufnahme ist erstaunlich hoch .....
Wenn ein Elektromotor mit einer Nennleistung von 1 kW bereits über 600 Watt im Leerlauf ohne den angeflanschten Kompressor aufnimmt, dann wachsen bei mir Zweifel. Auch bereits im frühen Jahr 2000 waren die Motorenbauer auf dem Effizienz-Trip und dem Stromspar-Trip, denn solch ein 1 kW Kompressor läuft am Tag merere Stunden. Bei den Audio- und Hifi-Entwicklern fing das mit dem "Stromsparen" - also der minimalen Leistungentnahme - etwa zur gleichen Zeit an, als der "Strom aus der Steckdose" anfing, richtig Geld zu kosten.
Wir haben bei uns im Labor Leistungsmeßgeräte, die eine Wechselstrom- Leistung ziemlich genau anzeigen bzw. mit dem Power-Faktor korrekt ausrechen. Die Messungen kommen noch.
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